Buchsucht

12. Juni 2019, 0 Kommentare
Rudolf Paulus Gorbach

Zauber der (Hand)Schrift, wirklich

Nach dem »Lettering« als Begriff seine ursprüngliche Bedeutung gewechselt hat und sich zum „angesagten“ Trend entwickelte, wird ganz selbstverständlich auch die persönliche Handschrift interessant. Natürlich gab es schon lange Bücher mit Beispielen von Handschriften, die oft fachspezifisch zusammengestellt wurden (Liebesbriefe berühmter Frauen und Männer bei Piper, Handschriften von bildenden Künstlern oder Deutsche Gedichte in Handschriften bei Insel, schon 1935 erschienen). Bei Taschen erschien nun ein Buch über eine bedeutende Autographensammlung, nämlich die mit etwa 100 000 Beispielen bestückte Sammlung von  Pedro Corrêa do Lago, die im The Morgan Library & Museum“ New York liegt und 2018 ausgestellt wurde. 

Mich begeistert die Schönheit der Handschriften, wobei auch viele Postkarten und signierte Fotos in diesem Buch gezeigt werden. Aber sehr schnell kommt man auf den Charakter der Handschrift, was nicht graphologisch gemeint ist. Geschichten aus den Briefen (dank der Übersetzungen der Brieftexte) werden lebendig und sehr gut versteht man die Faszination des Sammlers. Die Zeit, in der diese Briefe geschrieben wurden, wird greifbarer und manche Denkweise oder gar Geheimnisse geben vielleicht Einblicke.

Dass die Schreibwerkzeuge wichtig sind geht aus dem Beitrag von Declan Kiely ( er war zusammen mit Christine Nelson Kurator der Ausstellung) hervor. Nämlich dass am 29. Oktober 1945 das Warenhaus Gimpel in New York von Bereitschaftspolizei geschützt werden musste. Was war geschehen? Das Warenhaus bot zum ersten Mal den Verkauf des soeben erfundenen neuen Kugelschreibers an und die Menschen strebten in Scharen zum Kaufhaus. Heute gehört auch der Kugelschreiber neben Feder, Bleistift, Füller zu den durchaus sozialen  Schreibwerkzeugen.

Der Sammler, Pedro Corrêa do Lago, nennt als Vorbild den Autor und Sammler Stefan Zweig. Zweig war nicht nur ein berühmter Autor, sondern auch Sammler von Handschriften. Posthum erschien 2005 ein Katalog seiner Sammlung (Inlibris Verlag). 

Im »Zauber der Handschrift« sind die Exponate in die Urheber aus Kunst, Geschichte, Literatur, Wissenschaft, Musik, Philosophie, Entdeckung, Eroberung und Unterhaltung sortiert. Und so ergibt sich mit diesem Buch ein Stück Kulturgeschichte, von der Individualität, nämlich der persönlichen Handschrift geprägt.  

Christine Nelson

Zauber der Schrift

Sammlung Pedro Corrêa do Lago

464 Seiten

Leinen

Taschen, Köln 2019

30 Euro

ISBN 978-3-8365-7519-5

 

 

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