Nachtkritik

23. November 2012, 0 Kommentare
Rudolf Paulus Gorbach

Wippermann und der Trend

Mit einer Ligatur verglich sich Peter Wippermann zwischen Typografie und Trendforschung. So begann der erste Vortrag der tgm zum Thema »Umbruch mit Zukunft« in einem gut besuchten Raum in der TU. Die tgm kooperierte diesmal mit dem Lehrstuhl Industrie-Design der TU.
Wippermanns Vortrag basiert auf seinem Werte-Index, der im Jahresprogramm 2012/2013 der tgm auf den Seiten 14 und 15 zu finden ist. Für Vertrauen als wichtigste Grundlage einer guten Tätigkeit sprach sich Wippermann aus. Bei der Betrachtung des Wertewandels zwischen 1945 und 2000 kam der Referent rasch auch auf den heutigen Umgang mit Typografie zu sprechen; wo und was passiert momentan? Welche Eigenheiten bestimmen das Leben? Der Tagesablauf ist gewöhnlich nicht mehr so strukturiert. Viele traditionelle Berufe gibt es heute nicht mehr und unser Nachwuchs geht in Berufe der Zukunft, die es heute noch nicht gibt.


Große Konzerne verschwinden bisweilen und eine individuelle selbständige Arbeit ist oft die Folge. Dabei wird Freizeit durch die ständige Verfügbarkeit reduziert. Doch die zur Verfügung stehende Zeit gilt als wichtiges Problem. Und wichtig wäre bei einem Freiheitsgefühl die Freiheit zu statt der Freiheit von etwas. Freiheit als überlegtes Handeln.

Die private Radikalität der Internet-Nutzung, die sich natürlich besonders bei der sehr jungen Generation zeigt, sieht die Informationsverarbeitung als ganz neue Möglichkeit. Fünfzehnjährige sind heute zu 97% im Internet anzutreffen und dementsprechend werden neue Möglichkeiten im Netz breit genutzt. Die Nutzung von Büchern und Facebook ergeben eine Halbierung mit dem Alter von 34 Jahren.
Die Werte der Beziehungen zwischen Macht, Menschen und Geld wird immer noch dichter. Am Beispiel des alten und neuen ebay-Logos erkennt man beispielsweise dass eine Vereinfachung der Strukturen erfolgt ist. Die Verbindung zwischen Unterhaltungs-, Geschäftswelt und Geld im schon länger anhaltenden Strukturwandel macht einen Wertewandel nötig.

Einfachheit ging in der Wertskala zurück, weil vieles nicht mehr so einfach möglich ist, was dem schon lange ansetzenden Strukturwandel folgt.
Ein Retrodesign sieht Wippermann als interessante Möglichkeit, die Handwerklichkeit bekommt eine neue Tendenz. Doch auch recht ungewöhnliche Ereignisse erscheinen, wollen vielleicht eingeordnet sein. Leere Schleckerregale werden als Kunst angeboten.
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Zeitungen bemühen sich aus gegebenem Anlass (siehe auch Zeit Nr.48/2012) um eine neue Typografie auf Lesegeräten. Die immer noch geheim gehaltenen individuellen Einkünfte werden plötzlich diskutiert. Mode und Fitnesscenter spielen eine große Rolle, aber Fehltage am Arbeitsplatz aus psychologischen Gründen haben stark zugenommen. Wie entgeht man den allgemein erwünschten Optimierungsfallen?

In Freiheit lebt; wer handlungsfähig bleibt, meint Wippermann am Schluss und erwähnt auch noch, dass Schrift eine neue Bedeutung bekommen könnte. Wie wirkt sich das alles aus, was können Gestalter dafür/dagegen tun?

Foto: Christoph Höfer

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