Buchsucht

5. November 2017, 0 Kommentare
Rudolf Paulus Gorbach

Was ist der Einfluss von Paul Klees Werk auf Typografie?

Da ich von Paul Klee so viel erfahren und gelernt hatte, liegt die Überlegung nahe, was der Einfluss Klees auf Typografen und solchen »angewandten« Gestaltern sein könnte. Auf einer Tramp-Reise 1961 las ich in Paul Klees Tagebüchern (Ausgabe Dumont 1957), war von so viel Klarheit im Denken begeistert. Natürlich lieferte Klee keine »Modelle« für eine Übertragung. In seinem Buch »Das Bildnerische Denken« änderte sich das für mich ein wenig. Wie Kandinskys »Punkt, Linie zur Fläche« waren sie die Schätze meiner Gedanken, die meine Arbeit sehr subtil beeinflusst haben. Später kam der Blick auf die Originale dazu. Nicht zuletzt im Lenbachhaus München 1978 oder in Salzburg 2008, wo auch der Bereich der Musik dominierte. Konzeptuelle Arbeiten für Typografie entstanden auch aus Erkenntnissen dieser Begegnungen.



Warum ich das berichte? Ich hatte mir vorgenommen, für die Leser des tgm-Blogs einen Ausstellungskatalog zu besprechen. Das ist generell nicht mein Gebiet.  Aber unter dieser Vorgeschichte eben doch. Es ist der Katalog »Paul Klee. Die abstrakte Dimension«, der zur gleichnamigen Ausstellung in der Fondation Beyeler, Basel erschien. Die Auseinandersetzung mit oder zwischen Abstraktion und dem nicht Abstrakten (siehe Zeit vom  4.10.2017 und SZ vom 5.10.2017) wird hier eindrücklich behandelt.

Eindrücklich – von Eindruck. Wunderbare Abbildungen, sehr großes Buchformat, gewichtig im leider wahren Sinn (ein Problem fast aller Ausstellungskataloge unserer Zeit). Nach den ersten Besprechungen der Ausstellung freute ich mich besonders auf die Beiträge im Katalog von Peter Zumthor und Jenny Holzer. Hier rückten Klees Themen vielleicht noch näher an das angewandte Gestalten?
Peter Zumthor liefert aber keinen Aufsatz, sondern gibt einzelne, begeisterte Gedanken zu Klee wieder. So sieht er beispielsweise »die ikonografische Dimension der Zeichen, die Klee aus der Architektur übernimmt. Diese führen in die Tiefe. … Das für die Architektur zentrale Thema Raum taucht bei Klee selten auf. Mehr als je sehe ich ihn als Meister der Fläche«.

Paul Klee, Die Kapelle, 1917. Aquarell und weisse Tempera auf Papier auf Karton, 29,2 x 14,6 cm. Fondation Beyeler, Riehen/Basel, Sammlung Beyeler. Foto: Peter Schibli

Jenny Holzer ist da näher am Werk Klees, da sie an Zeichen, Buchstaben und Piktogrammen im Werk fündig wurde. Und hier ergibt sich auch eine starke Nähe zur Typografie. Holzers Begeisterung von Klee wirkt ansteckend. Beispiel: »Klee improvisierte bei der Übertragung von Farbe auf Inhalte und spielte noch mit vielem anderen. Gleichzeitig unternahm er es, Gedanken auf strenge, systematische und fast enzyklpädische Weise darzustellen.

Paul Klee, Boote in der Überflutung, 1937. Blaue Kleisterfarbe auf Papier auf Karton, 49,5 x 32,5 cm. Fondation Beyeler, Riehen/Basel, Sammlung Beyeler. Foto: Robert Bayer

Am Besten wäre es, die Ausstellung zu sehen. Aber zum Katalog und seiner Gestaltung: Das große Format von 240 x 305 mm gibt den brillant gedruckten Bildern Platz. Die Typografie der Texte folgt der Größe. Doch erscheint mir die Schriftgröße zu groß. Man denkt da eher an Bilderbücher für Kinder. Den Satzspiegel finde ich nicht ganz eindeutig. Doch ist die Gesamtgestaltung sauber und sehr gut durchgeführt. Die Bethold City von Georg Trump von 1939 passt historisch gut als Auszeichnungsschrift. Den Titel auf den Einband mit senkrecht untereinander gestellten Buchstaben zu stellen wirkt allerdings gegen die Modernität Paul Klees.

Paul Klee. Die abstrakte Dimension
Herausgegeben von Anna Szech für die Fondation Beyeler
Mit Beiträgen von Teodor Currentzis, Fabienne Eggelhöfer, Jenny Holzer, Regine Prange, Anna Szech und Peter Zumthor
236 Seiten
Hatje Cantz Verlag, Berlin 2017
ISBN 978-3-906053-39-4
58 Euro (in der Ausstellung 62,50 CHF)

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