Zeitschriften & Zeitungen

10. September 2012, 0 Kommentare
Rudolf Paulus Gorbach

Super-Familien der Schrift

Slanted, die wilde Zeitschrift für Typografie und Grafik Design, als deutsche Zeitschrift natürlich größtenteils mit englischen Texten, also ziemlich global. Die Nummer 19 befasst sich mit Familien, besser gesagt mit Super-Familien. Und man steigt auch gleich ein mit sehr guten Fotoserien von Familien. Dann werden die Familienbilder immer mehr – in einer »harten« Gestaltung – von Schriftfamilien okkupiert. Die Zusammenstellungen sind manchmal rätselhaft, machen Spaß beim Blättern. Und es gibt sehr witzige Illustrationen zu Schriftnamen.


Font Normal. Illustration von Lisa Röper

Natürlich geht es in diesem Heft auch um große Schriftfamilien. Stefan Claudius lässt einen »Schulterblick« während der Entwicklung einer Großfamilie zu. Er erklärt dabei seinen Weg der Interpolation mit der Software Interpolation. Dabei versucht er sogar mit dem Italienne-Charakter eine Textschrift zu gestalten. Allerdings bezeichnet er die damit erzeugten Schriften erst mal als Ausgangsware, die er dann sorgfältig bearbeitet.


 
Spannende Darstellungen von Super-Familien (oder Schrift-Sippen) wie Mr. & Mrs. Eaves (Emire) werden gezeigt; Schriftgestalter sprechen über ihr Verständnis von Superfamilien und was sie davon als wichtig empfinden. Ganz besonders ist da ein Gespräch mit Andreas Frohloff und Ivo Gabrowitsch zu erwähnen, indem über die Begriffe wie Super-Familien, Dynastien, Großfamilien etc. philosophiert wird. Und immer wieder kommt der Aspekt der Lesbarkeit und die Grenzen des Ausbaus einer Großfamilie zu Wort. Der unterschiedliche Begriff für Strichstärken schafft nicht gerade Klarheit. Dass viele Gestalter heute ihre eigenen Schriften machen findet Gabrowitsch super, da es durch diese »Demokratisierung« viel mehr richtig gute Schriften gäbe.



Julia Kahl spricht mit Albert Jan Pool über die DIN-Schriften. Und überall gibt es interessante Meinungen, Gestaltungserfahrungen und Aspekte der Zukunft. Pool erläutert beispielsweise die versteckten Verwandtschaften zwischen Schriften, die nur Wenige wissen. Er könnte sich sogar eine DIN Serie vorstellen, aber eine Garamond Sans eher nicht. Der Erfolg der Superfamilien scheint auch an Bedürfnissen des Corporate Designs gekoppelt zu sein. Offen und fair spricht Pool über seines Erachtens misslungene Schriftfamilien wie die Rotis oder die Compatil und auch die DIN-Konkurrenten werden betrachtet.

Ein gut informierendes und unterhaltendes Heft. Die Grafik auf dem Cover macht neugierig, zudem sie von Indra Kupferschmied stammt, bleibt aber etwas rätselhaft.



Slanted Magazine 19
Super Families
162 Seiten
Magma Brand, Karlsruhe 2012
ISSN 1867-6510
14 Euro
http://slanted.de/eintrag/slanted-19-super-families

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