Buchsucht

24. Mai 2014, 0 Kommentare
Rudolf Paulus Gorbach

Slanted besucht die Schweiz

Nachdem die hart überklebte Schweizer Broschur überlistet ist lässt sich slanted 23 im Buchformat ganz gut blättern. Slanted, auf hochglänzend/mattes Papier gedruckt, ein Such- und Findebuch, was für den Benutzer etwas Geduld erfordert, da die Ordnung des Buches nicht dominiert.

Die slanted-Redaktion war auf der Suche nach der heutigen Schweizer Grafik, besuchte zahlreiche Gestalter. Das Ergebnis liegt in der Ausgabe 23 vor, wird aber auch am 5. Juni Thema einer Konferenz (wie man heute die Ansammlung von Vorträgen auch oft nennt) sein.


Brigitte Schuster, Grafikdesignerin aus Deutschland reflektiert  beispielsweise die Situation des Schweizer Grafikdesigns aus deutscher Sicht. Dabei erinnert sie an das, was man unter Swiss Style versteht und wie der entstanden ist. Konstruktivismus, de Stijl, Bauhaus, die Neue Typografie als Quellen kamen zu serifenlosen Schriften und einer an Rastern orientierten strengen Typografie. Nach 1945 war diese Richtung führend und vorbildlich, gleichzeitig weltweit beeinflussend als »international Stil«. Aber was passiert heute oder in den letzten beiden Jahrzehnten?


Gestaltung wird oft und hier zu Recht als Frage einer Haltung gesehen. Am Beispiel des Magazins »Reportagen« spricht Brigitte Schuster in ihrem Beitrag »Reflexionen über Schweizer Grafikdesign« von der inhaltlichen Rolle dieses Magazins als pures Textmagazin ohne Bilder. Die Visualisierung ist rein typografisch. Sorgfalt, konzeptionelles Vorgehen, bedachtes Gestalten sind vielleicht ein typisches Erbe der Schweizer Gestaltung. Nicht immer scheint das aber auch die Detailtypografie zu betreffen. Jedenfalls erlebt man oft gestalterische »Freiheiten«, die auf Kosten der Lesbarkeit gehen. Letztendlich kommen heute aus der Schweiz Designtendenzen, die eher dem Effekt als der gestalterischen Funktion folgen.

Slanted 23 besteht vor allem aus Beispielen, Arbeitsgeschichten und Statements oder Interviews, die die Redaktion in ihrer »Swiss Tour« zusammengetragen und veröffentlicht hat. Und das reicht von so unterschiedlichen Gestaltern wie Jost Hochuli und Wolfgang Weingart bis zu Ludovico Balland, Büro Destruct, Niklaus Troxler oder claudiabasel.


Viel Persönliches erfährt man in den Interviews, wenn beispielsweise Matthias Hoffman über seinen Vater, dem großen »klassischen« Schweizer Plakatgestalter, spricht oder wenn Angela Thomas von Max Bill erzählt. Und Wolfgang Weingart sieht das aktuelle Grafikdesign problematisch: »... die einen sind gemäßigt und die anderen immer noch im sauberen Zustand«. Weingart ist gegen »Schnellcomer« skeptisch (z.B. Carson) und hat selbst in den sechziger Jahren einen typografischen Erdrutsch verursacht. Sein Ausbruch aus dem rechtwinkligen Dogma ist für viele seiner Schüler dominierend geworden. Allerdings sagt Weingart auch, daß sich der Beruf des Grafikers »hoffentlich ins Nichts« entwickeln würde. »man sollte mindestens 80 % der Schulen schließen«.

Slanted 23
312 Seiten
Klappenbroschur
ISSN 1867-6510
Magma-Brand, Karlsruhe 2014
18 Euro

Die Konferenz »il y a le feu au laic« findet am 5. Juni 2014 von 11.30 bis 17 Uhr in der Hochschule für Gestaltung, Karlsruhe statt. Sie ist kostenlos, aber eine vorherige Registrierung ist erforderlich. www.slanted.de

Zur Zeit gibt es im Museum für Gestaltung in Zürich eine Retrospektive des Werkes von Wolfgang Weingart. Noch bis zum 28. September 2014.

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