Buchsucht

17. November 2011, 0 Kommentare
Rudolf Paulus Gorbach

Nachwuchs, Studium und Wert der Typografie

Erst einmal: Eine wunderschöne Broschur, edles Umschlagmaterial, sehr guter Druck auf Werkdruckpapier (nicht geglättet und trotzdem ganz hervorragende Bildqualität). Leider ist im Satz die sperrende Funktion des Buchstabenabstandes im Blocksatz nicht vermieden worden und so entsteht etwas Leseunruhe. Und – das Buch »klammert«, es bleibt ohne Bleiklötze nicht aufgeschlagen.

 

Doch eigentlich geht es um den typografischen Nachwuchs und wie Studierende mit Typografie umgehen. Und das wird durch Projekte anhand der Kapitel Schrift, Editorial und Experiment dargestellt  aus Ausbildung und Studium der letzten fünf Jahre. Für Studierende sind dabei neben den gezeigten, durchaus interessanten Arbeiten besonders die kurzen Interviews mit den gestaltenden Studenten spannend und informierend. Die Fragen beziehen sich auf das jeweilige Erwachen des Interesses, Typografie als Gestaltungselement, Lieblingsschrift, eigene Zufriedenheit mit dem Bereich Typografie und der Zufriedenheit mit der Hochschule an der die Studierenden sind. Alles in allem, es sind sehr engagierte junge Typografen und ihr Praxiseintritt lässt Gutes erwarten.

In einem besonderen Teil gibt es Interviews mit zehn Typografie-Professorinnen und Professoren. Und hieraus einige Zitate:

»In Deutschland hingegen [im Gegensatz zu den Niederlanden]wird ein Kommunikationsdesigner als Dienstleister wahrgenommen, der sich den ökonomischen Erfordernissen unterzuordnen hat.  Das ist ziemlich engstirnig und entbehrt jeglichen Esprits und jeglicher Fantasie.« Heike Grein, Hamburg.

»Die Studierenden sollten heute nicht nur alles wissen, sie müssen es auch anwenden können«. Nora Gummert-Hauser, Krefeld.

Meinem Lehrer Volker Küster »ist es gelungen, mir eine bestimmte Sichtweise nahezubringen, nämlich dass alles inhaltlich verankert ist und Design-Entscheidungen begründbar sein müssen«. Jürgen Huber, Berlin.

»Wichtig dabei ist zudem, irgendwann ähnliche Schriften anhand ihrer Unterschiede auseinander halten zu können …«. Christian Hanke, Berlin.


»Was typografische Fehler oder Satzfehler betrifft, bin ich auch absolut fehlerintolerant und sehr streng«. Indra Kupferschmid, Saarbrücken.

»Ich versuche, Typografie als wichtigen Bestandteil der Allgemeinbildung zu vermitteln, nicht nur als undurchschaubares Fachwissen für Korinthenkacker«. Jan Rutherford.

[Schlechte Typografie] »drückt auch eine gewisse Missachtung der Texte aus. Seltsam, dass die belanglose oder eben einfach nur ungestaltete Typografie einen immer breiteren Raum einnimmt, obwohl es viele ausgefeilte Werkzeuge gibt …« Bettina Müller, Potsdam.

»Daher halte ich es für grundsätzlich gleichgültig, an welcher Stelle man einsteigt; [in die Typografie] wesentlich sind Neugier und Offenheit – über den Studienabschluss hinaus«. Ulrike Stoltz, Braunschweig.

»Der Computer ist kein Zaubergerät. Deshalb ergibt es mehr Sinn, zunächst Gelassenheit in denWerkstätten zu üben, sich mit dem Material vertraut zu machen, und dann die Idee zu digitalisieren«. Rayan Abdullah, Leipzig.

»Theorie ist kein Nebenfach – es ist ein Gebiet, das alle möglichen Arten von Projekten und Aufgaben begleitet. Letztlich ist die Typografie dafür da, den Leser zu bedienen«. Dan Reynolds.

Nadine Roßa, Andrea Schmidt, Patrick Marc Sommer (Hrsg.): Typoversity
240 Seiten
Norman Beckmann Verlag, Hamburg 2011
24,90 Euro
ISBN 978-3-939028-25-3

http://www.typoversity.com/

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