10. April 2019, 0 Kommentare
Michael Bundscherer

Laudatio für Eckehart SchumacherGebler

Der Höhepunkt der Mitgliederversammlung der tgm am 4. April 2019 war zweifelsohne die Ernennung von Eckehart SchumacherGebler zum Ehrenmitglied der tgm. Die Laudatio hielt Susanne Zippel. Susanne hat uns ihr (überarbeitetes) Manuskript freundlicherweise zur Verfügung gestellt – herzlichen Dank!


 

Lieber Eckehart,
herzlich willkommen, liebe Christiane,
liebe Mitglieder der tgm,
sehr geehrte Gäste,

im nächsten Jahr darf die t g m, die Typografische Gesellschaft München, stolz auf 130 Jahre ihres Bestehens zurückblicken. Dieses Jahr begeht sie bereits ein weiteres Jubiläum, denn vor 70 Jahren wurde sie wiederbelebt, nachdem sie während der Nazizeit zwangsweise geschlossen werden musste. 1890 von Setzern und Druckern gegründet, vereint sie heute mehr als 1.300 Mitglieder und ist damit die größte organisierte Plattform Europas zur Förderung interdisziplinären Denkens und Handelns im –– wie es in ihrem Credo heißt –– Dialog zwischen Inhalt und Form, Bild und Text, Tradition und Innovation, Gestaltung und Technik.

»Eckehart SchumacherGebler ist der tgm seit Jahrzehnten mit Rat und Tat engagiert und vielfältig verbunden – seine herausragende Expertise hat wesentlich zum Profil der tgm als Fachorganisation beigetragen«, schreibt Boris Kochan, langjähriger Vorsitzender der Gesellschaft und selbst Ehrenmitglied, in seiner Einladung zum heutigen Abend.

Lieber Eckehart,
jahrzehntelang –– wesentlich –– dein Einfluss auf die tgm –– große Worte! Tatsächlich warst du schon fast seit Beginn Deiner beruflichen Laufbahn mit der tgm verbandelt, ordentliches Mitglied wurdest Du am 1. September 1967, also vor mehr als 50 Jahren. Mit Deinem Wissen und Können, mit Deiner Kontaktfreude, Deinem Organisationsgenie und mit Deinen unternehmerischen Kapazitäten hast Du der tgm die wertvollen Dienste geleistet, für welche Dir die höchste Auszeichnung gebührt.

Soviel hast Du für andere getan. –– Heute Abend sind wir zusammengekommen, um Dir dafür zu danken –– Zeit wird es! Heute soll es einmal nur um Dich gehen, lieber Eckehart, oder sage ich besser E S G –– das Akronym, das in der Fach- und Freundeswelt geradezu mit Ehr-Furcht ausgesprochen wird?

Bei Buchstaben möchte ich zunächst bleiben und beginnen mit dem A – wie Anfang – und einem Zitat, entnommen einem Text von 1999 –– mitrechnen!:

»Das kleine a ist für Eckehart SchumacherGebler ein besonderer Buchstabe. Auch wenn er heute sagt, es täte nichts zur Sache, so war es doch ein Folio-a, das sein Leben verändert hat. Ein kleiner Buchstabe, den er vor knapp vierzig Jahren zusammen mit anderen in wenigen Zeilen auf dem Layout hin und her schob. Bis plötzlich nur noch dieses a als ein abstraktes Zeichen vor seinen Augen stand. Bis zu diesem Aha-Erlebnis war für SchumacherGebler Schrift nur ein Mittel zum Zweck gewesen. Buchstaben brauchte man zum Drucken und dann zum Lesen. Punkt.« (ca. 380)

Ich glaube, die meisten von euch haben jetzt große Augen gemacht: Wie bitte? Eckehart und minderes Interesse an Buchstaben? Wir kennen ihn anders, nicht wahr?! Nämlich genau entgegengesetzt.

Und doch beginnt so eine Hommage auf eine der ganz großen Persönlichkeiten, die Gutenbergs Erbfolge hervorgebracht hat –– für mich bist Du der größte Zeitgenosse der Schwarzen Kunst überhaupt. Vielleicht wird man erst in hundert Jahren wirklich ermessen, welche Dienste Du dem Handwerk, der Technik und der Qualität der druckenden Zunft in Theorie und Praxis geleistet hast.

Ein Fahrtenbuch durch Dein Lebens- und Schaffenswerk kann, möchte ich nicht erstellen, dazu reichte unsere Zeit heute ganz und gar nicht –– einige erhellende Spots, illustrierende Fakten und Anekdoten, derer es noch und nöcher gibt, müssen Genüge tun.

Begonnen hat alles ohne den Big Bang, ohne eine frisch erwachte Leidenschaft, die einen jungen Menschen auf den selbstgewählten beruflichen Weg bringt. Eckehart wurde in eine Druckerfamilie hineingeboren und irgendwann hieß es: »Der Junge übernimmt die Firma.« –– Der Junge kam also zum Thema nicht wie die Jungfrau zum Kinde, sondern die Mutter übergab dem Jungen die Druckerei in der Münchner Goethestraße, nachdem dieser bereits willig eine Lehre zum Drucker absolviert hatte; auch Setzer wäre eine Option gewesen, doch mit dem Drucken war angeblich schneller mehr Geld zu verdienen.

Bei aller Passion bis hin zur Besessenheit, die Eckehart bald für die Zunft entwickelt, bezeichnet ihn doch immer auch das Unternehmerkalkül. Diese Tugendpaarung wird ihn später auf die Weltbühne des Schwarzen Handwerks heben. Zunächst lässt er sich natürlich doch noch zum Setzer ausbilden. Drucker und Setzer in Personalunion –– im Fachjargon nennt man dies den »Schweizer Degen«, in Anlehnung an den multifunktionalen Dolch, dessen Klinge auf beiden Seiten geschliffen ist. Nach den handwerklichen Ausbildungen folgte noch das Fachstudium an der Akademie für das Graphische Gewerbe, der traditionsreichen Meisterschule für Deutschlands Buchdrucker München, und dann, wir sind am Beginn der 1960er Jahre, die Übernahme des Familienbetriebes.

Der unternehmerische Start war alles andere als einfach. Zum einen fehlte ein schlüssiges Firmenkonzept, bis dato druckte man quer Beet, was eben so verlangt wurde: Werbung, Bücher, Akzidenzen. Der Schriftbestand war nicht sensationell. Man investierte damals weniger in neue Schriften als in vermeintlich effizientere Druckmaschinen. Dies machte insbesondere den Schriftgießereien, also den Unternehmen, die Bleilettern herstellten und verkauften, zu schaffen. Sie entwickelten die raffinierte Strategie, ab sofort ihre neuesten Kreationen nicht mehr den Druckereien anzubieten, sondern den Werbeagenturen. Fand ein Art Director Gefallen an der Ausdruckskraft einer neuen Schrift und wollte er sie unbedingt einsetzen, war die betreuende Druckerei gezwungen, sich diese zuzulegen.

Auf diese Weise entstand eine neue Art von Spezialbetrieben –– die sogenannten Layoutsetzereien. In den Hochburgen der Werbeagenturen, wie Hamburg, Düsseldorf oder Frankfurt, florierte der Markt, in München fehlte solch eine Setzerei. Es schlägt die Stunde für SchumacherGebler. Er gründet neben der Druckerei –– die weiter bestehen bleibt –– in Verbindung mit der renommierten Bauerschen Gießerei, Frankfurt, eine Layoutsetzerei, ausgestattet mit den wesentlichsten Schriften aus deren Programm. Dabei bleibt es nicht. Auch Schriften anderer Gießereien werden kurz darauf in das Angebot aufgenommen. So entstand das Typostudio SchumacherGebler, das sich bald bis über die Tore der Stadt hinaus einen Namen macht. Das war 1961.

Beeindruckend nicht ganz uneitel wird in den Schriftmustern –– den Specimen, wie wir heute sagen –– der Setzerei ab sofort ein Buchstabe aus dem Alphabet gestrichen, nämlich das große F, an dessen Stelle das große S gesetzt wird: A B C D ESG H I J K …, die Initialen des Hausherren werden zum Manifest. Sie stehen bis heute nicht nur für einen Namen, sondern auch für ein einzigartiges Qualitätsprogramm.

Der Laden läuft. Um noch schneller und kostengünstiger arbeiten zu können, legt sich ESG ein Monotype-System zu –– eine weichenstellende Entscheidung. Es heißt, »wenn SchumacherGebler über die Monotype spricht, ist es, –– als öffnet sich ein Fenster zur schönsten Blumenwiese der Welt.«1
Im Typostudio stehen zeitweise über hundert Maschinen aller Art. In der Branche ist längst klar: »SchumacherGebler ist nicht der billigste. Aber der beste.«2 Er bietet sich an, er pflegt Kontakte, pflegt auch seine Angestellten. Sie alle werden stets übertariflich bezahlt.

Den Umstand, dass inzwischen der Fotosatz auf leisen Sohlen, aber mit Lichtgeschwindigkeit Einzug hält, nutzt ESG für einen weiteren Geniestreich: Gerade die Großbetriebe stellten von Hand- auf Fotosatz um, wollten ihren Matrizenbestand loswerden, mussten ihn verscherbeln. SG macht sich daran, sämtliche Monotype-Matrizen dieser Welt zusammenzutragen –– der leidenschaftliche Sammler ist in seinem Element.

Matrizen von einem guten Dutzend Großbetrieben wandern in die Goethestraße, darunter von Schnitten, die noch nie oder höchst selten in Deutschland zum Einsatz gekommen waren, wie die Barbou, Bell, Perpetua, Poliphilus, Van Dijck und und und –– nur eine kleine Auswahl … Mit den Matrizen kamen die Monotype-Maschinen, die man nicht verschrotten wollte, aber auch nicht mehr brauchte. ESG avanciert quasi zum Monotype-Magnaten, zeitweise besaß er 25 Maschinen –– wohlgemerkt alle funktionstüchtig. Irgendwann steht das Treppenhaus in der Goethestraße so voll, dass die Kollegen sich des nachts nach einem langen Arbeitstag die Knie anstoßen. Ich musste lächeln, als Michi Bundscherer, der 1998 –– kleiner Zeitsprung –– im Typostudio seine Tätigkeit aufnahm, erzählt: »Als ich ihm mal sagte, dass da ja »interessante Pressen rumstehen« korrigierte er mich sofort: ›Die stehen da nicht rum, die stehen da.‹«

»Das Typostudio entwickelte sich –– wir springen zeitlich wieder zurück –– zu dem Qualitätsbetrieb schlechthin, mehr Qualität ist in München nicht möglich gewesen, mehr konnte man gar nicht erwarten«, versichert mir Rudolf anerkennend im Rückblick.

Für Verlage waren allerdings die Preise einer derartigen Leistung nur selten erschwinglich, hauptsächliche Auftraggeber waren seiner Zeit die Werbeagenturen.

Rudolf Paulus Gorbach, selbst langjähriger Vorsitzender der tgm, lernte Ende der 1960er als Herstellungsleiter des renommierten Verlages Hans Reich Eckehart SchumacherGebler kennen, als dieser auf ihn zukam, um seine Dienste anzubieten. Rudolf berichtet, dass er gleich im ersten Gespräch von Dir eingenommen wurde, lieber Eckehart. Zwischen euch beiden gelernten Buchdruckern ging es sofort um Bücher und deren Typografie. Man beachte: es ging nicht um Typografie und Bücher, sondern um Bücher und Typografie.

Die beiden trafen sich dann häufig bei der tgm –– und in der in der Galerie Intergraphis, die 1966 in Nachbarschaft zur tgm gegründet wurde. Sie bot damals die größte Ausstellungsfläche Westdeutschlands für Gebrauchsgrafik, Typografie und Produktdesign. Das Komitee der ausgesprochen professionell gemachten Ausstellungen und für die Organisation von Konferenzen setzte sich aus Persönlichkeiten zusammen, wie Walter Biering, Olaf Leu, Philipp Luidl, Hans Numberger, Rudolf Rieger und –– Kurt Weidemann, dem Du, lieber Eckehart, die buchstäblich initialzündende Idee des F-S-Tausches verdankst.

Zur gleichen Zeit wurden parallel auch die jährlichen Ausstellungen der TDC-Show legendär. Gezeigt wurde sie –– ja!, in den Räumen der Setzerei SchumacherGeblers, im Typostudio. Legendär inzwischen ebenso die Büchersammlung, die ESG inzwischen zusammengetragen hatte, eine  »Fachbibliothek sondergleichen«, schwärmt Rudolf Gorbach. Zunächst befand diese sich über der Setzerei in der Goethestraße, im Dachgeschoss, wo ESG sich eine Bleibe in der Stadt ausbauen ließ. Heute ist die zu einer unfassbaren Dimension in Quantität und Qualität angewachsene Bibliothek über verschiedene Standorte verteilt.

Das hier angehäufte enzyklopädische Wissen in duftendem Druckerschwarz auf Weiß scheint er tief inhaliert zu haben. Der Typo-Ästhet ist selbst ein wandelndes Lexikon, das sich freizügig vor jedem Interessierten aufblättert. Jeder, der auch nur einmal das Vergnügen hatte, mit ihm über Bücher, Schriften, Maschinen oder Biografien ins Gespräch zu kommen, weiß wovon hier die Rede ist. Eckehart spricht –– nachdrücklich, beeindruckend, druckreif!

Mit allen Kollegen der Typografie- und Schrift-Branche ist er per Du. Das war nicht immer so. Aus eigenem Erleben kann ich behaupten, dass Eckehart ganz sicher zur alten Schule gehört. Mit dem Du musste er sich erst anfreunden. Innerhalb des Landes unterscheiden sich die Formen zwischenmenschlicher Kommunikation, die südliche Mentalität zieht das Formale vor. Doch Zeiten ändern sich: Während einer Besprechung innerhalb der tgm beschloss der Boris mal soeben, dass die Siezerei überholt sei –– Siezen perdu! Hernach trifft Eckehart SchumacherGebler auf Rudolf Paulus Gorbach und konstatiert etwas konsterniert: »Wir müssen uns jetzt jetzt Duzen.«

Wir ziehen von München nach Leipzig, der Druck-, Buch- und Verlagsstadt schlechthin. Nach der Wende wird Eckehart von der »Unternehmer-Romantik der Neunziger«3 ergriffen: Nach schwierigen Verhandlungen erwirbt er von der Treuhand den Hochdruckbetrieb der deutschen Traditionsdruckerei Haag-Drugulin, zu ostdeutsch seit 1954 unter dem Namen Offizin Andersen Nexö firmierend –– ich muss es an dieser Stelle einfach erwähnen, hier schließen sich Kreise: das ist der Betrieb, in dem ich mich zur Buchbinderin, meinem ersten Beruf, ausbilden ließ –– , mit der Auflage, alle 18 Mitarbeiter zu übernehmen und ihnen für zwei Jahre eine Anstellung zu garantieren. Der westdeutsche Unternehmer rettet alte Maschinen vor der Verschrottung, die neuen Menschen vor dem Kapitalismus.4

Der gesamte Bestand an Bleisatz sowie an Hochdrucktechnik wurde schon zu DDR-Zeiten am Standort Nonnenstraße zusammengefasst –– für uns ein klingender Name, weiß doch jeder hier, dass sich dort heute das Museum für Druckkunst befindet. Und –– ihr könnt euch denken, was jetzt kommt: Ja, es war Eckehart SchumacherGebler, der es 1994 gründete. –– Deiner Leidenschaft und Deiner Weitsicht ist es zu verdanken, »dass nationales Kulturgut, dass die einzigartige Perfektion der Monotype-Technik in lebendiger Anwendung erhalten«5, erfassbar, anfassbar geblieben ist.

Indes das Museale füllt Dich nicht aus. Du schließt das Kapitel Leipzig ab, gibst deinen Zweitwohnsitz dort auf, und ziehst mit dem laufenden Druckereibetrieb nach Dresden. 

Liebe Leute –– das sind 200 Tonnen Metall, das sind Setzkasten-Mengen, die aufgestapelt die Höhe des Eiffelturms erreichten, und –– Du ziehst in eine neue Wohnung! Verrate uns, in welchen Zwischenräumen hast Du nur die Zeit und Kraft gefunden, deine eigene, die legendäre Bibliothek SG aufzubauen, Dich für Verbände zu engagieren, Vorträge und Interviews zu halten und zu setzen nach dem Schreiben, Schreiben, Schreiben …?

Dein langer Weg durch die Haptik von Bleiwüsten und dem abstrakten Daten-Dschungel war reichlich mit Stolpersteinen gepflastert. Immer wieder aufstehen liegt – weiß Gott! – nicht jedem, aber jeder überstandene Rückschlag härtet ab. So kann ESG auch ein knarziger Mitstreiter und Streiter sein. Aber einer, dem man nicht lange gram sein kann; geht es ihm doch immer um die Sache. Keiner fasst das besser zusammen als Olaf Leu, wenn er mir –– auffordernd, diese Botschaft unbedingt weiterzugeben –– schreibt:

»Ich kenne niemanden im Grafischen Gewerbe, der sich so vehement, so nachdrücklich, so beseelt von seiner Mission, und so langmütig und langjährig, für die Schriftkultur als solche eingesetzt hat! Wahrlich, er hat das Erbe unserer Vorväter angenommen und es in aller Würde bewahrt. Das ging bis zur Penetranz seines selbstgewählten „Auftrags“.

Der kundige Sammler von Geräten, Werkzeugen und … Überkommenem ist zugleich Bewahrer. Er bewahrt auch –– die „guten Sitten“. Das tut er mit solchem Eifer und missionarischem Geist, dass er von seiner Umgebung manchmal etwas verständnislos belächelt wird. Zwar spricht er mit mir nicht mehr, aber, das trage ich ihm nicht nach. Zu hoch bewerte ich seine Lebensleistung.«

Aktiv, rastlos ist ESG bis zur unmittelbaren Gegenwart. (Fragend an ESG:) Wirst Du, der in wenigen Wochen seinen 85. Geburtstag begeht, nachher noch Deine bibliophilen Juwelen in den Kofferraum packen und zur nächsten Messe weiterziehen? Oder besteigst Du das Flugzeug Richtung Südkorea, wo Du die Gründung eines weltweiten Dachverbandes für Druckmuseen unterstützt? Vielleicht widmest Du Dich auch einem neuen Bauvorhaben, um die von Dir zusammengetragenen Schätze sicher unter Dach und Fach zu wissen, da das jetzige Archiv aus allen Nähten platzt.

–– Nachklapp: Bei dieser Gelegenheit verlasse ich kurz mein Manuskript und übermittele die persönlichen Glückwünsche von Frau Dr. Annette Ludwig, der Direktorin des Gutenberg-Museums in Mainz, zur Ehrenmitgliedschaft, die noch am Morgen via Email an die Mitglieder Schwarze Kunst eintrafen. Die Offizin Haag-Drugulin, sprich: Eckehart SchumacherGebler, zeichnet zusammen mit dem Gutenberg-Museum, der Humboldt-Universität zu Berlin und dem Verein Schwarze Kunst die überaus erfolgreiche Konferenzreihe »Transformation der Buchkunst« verantwortlich. ––

Wahrscheinlich aber fährst du morgen – wie mehrmals jeden Monat – von deinem zu Hause in Bad Tölz über München nach Dresden, um in Deiner Druckerei nach dem Rechten zu schauen und aktuell das nächste Schriftenfest vorzubereiten, ein Must-go-Symposium für alle gestaltende Typen, und in dessen Rahmen übrigens –– wie konnte ich es noch nicht erwähnt haben? –– sich 2013 der von Dir initiierte Verein zur Förderung der Schwarzen Kunst gründete –– mit heute mehr als einhundert Mitgliedern! Eine stolze Zahl für eine Zunft, die ständig totgesagt wird und doch gerade ihr Revival erlebt –– der menschlichen Sinnessehnsucht, der Sinn-lichkeit, auch Idealismus und Hartnäckigkeit eines Eckehart SchumacherGebler sei Dank!

Nun für all diejenigen, die nicht folgen konnten auf dem rasanten Weg durch ein langes Leben: ESG; Schriftsetzer; Drucker; Unternehmer; Firmenboss und Diener der Sache; Sammler; Forscher; Gelehrter; Bewahrer und Beschützer; Förderer und Fordernder; Gründer und Mitglied; Vernetzter und Vernetzer; Redner und Zuhörer; –– bodenständig und weltgewandt; größenwahnsinnig und bescheiden in Yin-Yang-Manier; leise große Kreise ziehend; zurückhaltend Nachhaltiges schaffen; –– dabei Kalkulierender; Traktierender; Besessener; Eigenbrötler; Kompromissloser; und … Sohn der Familie; Erbe; Ehemann; Vater; Großvater; geschätzter und gefürchteter Kollege; Partner; Freund; auch Feind — facettenreicher geht kaum. Kurz: die graue Eminenz der Schwarzen Kunst!

Als Berlinerin verpacke ich meine Hochachtung mit Max Liebermanns Worten: »Wissense wat, alle jroßen Leute sind unanständige Menschen jewesen.«

Was mit einem A begann, mit einem Schummel-S –– anstelle des 6. Buchstabens in unserem Alphabet –– weiterging, beendet die Zippel mit Z wie Deine Zukunft, lieber Eckehart, –– als 6. Ehrenmitglied in der tgm –– in einer Reihe mit Klaus F. Schmidt, Rudolf Paulus Gorbach, Walter Biering, Boris Kochen und Olaf Leu.

»Wenn die Welt klar wäre, bräuchte es keine Kunst«, sagt Albert Camus. Menschen, wie Eckehart, malen nicht, sondern setzen Schwarz. Gott grüß die Kunst –– und ihre(n) Jünger!

Ich fordere standing ovation und dann –– Setzen bitte!

Danke, Eckehart, für alles – Dir gehört die Bühne!

 

1 aus Eine Reportage von Jan Weiler: Eckehart SchumacherGebler – Die Offizin Haag-Drugulin und das Museum für Druckkunst Leipzig, Römerturm Feinstpapier [Hrsg.], Frechen 1999

2 aus einem viel-seitigen Bericht von Michael »Michi« Bundscherer über sein Arbeiten und Erleben im Typostudio SchumacherGebler an die Autorin im März 2019

3 Die Zeit, 6.10.2016

4 Nach der Rede kommt Christiane SchumacherGebler, die wunderbare Ehefrau Eckeharts auf mich zu und erzählt von dem Tag, als ESG zu Hause Andeutungen über die Möglichkeit des Ankaufs der Druckerei macht. »Du wirst das nicht tun …«, sagte ich ihm. »Er tat es!«

5 Jan Weiler, ebd.

Geschrieben in Berlin, den 31. März 2019, gehalten am Donnerstag, 4. April in München
Urkunde von Petra Wöhrmann
Fotos von Michael Bundscherer

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