Nachtkritik

4. August 2012, 0 Kommentare
Rudolf Paulus Gorbach

Im Windschatten

Friedrich Forssman ging in seinem Vortrag auf das für diesen Vortrag ausgewählte Prinzip für gute Gestaltung von Dieter Rams ein: Gutes Design ist so wenig Design wie möglich. Er bewegte sich dann durch Theorien, was für manche Besucher etwas enttäuschend war, da man mit Forssman einen sehr konkreten und praktischen Typograf erwartete.

Forssman wollte keine Bilder mehr zeigen, da allgemein eine bildersatte Situation vorherrschen würde. So sehr ich geschliffene Wortvorträge liebe, aber Forssman fühlte sich in seinem freien Vortrag durch die Rams-These gestört; ging aber sogleich auf das Jahresthema der tgm ein. Respekt besteht gegenüber dem Inhalt. Wer sich selbst für einen relevanten Gestalter hält hat schon verloren. Ein respektvolles Verhalten gegenüber dem Inhalt war früher stärker. Aber was heißt schon Inhalt?
Für Gestalter wäre die Geschichte des Designs sehr wichtig.
Er findet Rams’s Thesen apodiktisch und meint, dass das Dilemma zwischen Respekt und Übermut nicht aufzulösen sei. Für seine Arbeiten findet er den Käufer in der Vorstellung von sich selbst, sozusagen als »Zielgruppe«.

Foto: Catherine Avak

Ganz ohne Anschauung war es dann doch nicht. Friedrich Forssman verteilte einige Exemplare eines Heftes über seine riesige Gestaltungsarbeit für Arno Schmidts Zettels’ Traum und sprach natürlich auch darüber. Für Forssman gibt es den Widerspruch der Thesen: wenig oder viel Design.
Form follows Function sieht er als großes Missverständnis. Die Emotionen ansprechen wäre ebenso wichtig. Lucius Burkhardt sagte »Design ist unsichtbar«. Und gutes Design wäre keine Quantitätsfrage.

(Foto: Catherine Avak)

Er bezieht sich auf das Buch »Einfach« (2009 Merve Verlag) und den dort vertretenen Definitionen des Einfacheb. Buchgestalter haben wenige Parameter der Buchgestaltung zu beachten. Wichtig wäre, dass man die Aufgabe, die man erhält reduziert, eine Komplexitätsreduktion im Dialog wäre von Vorteil. Es gibt Beispiele bei denen Tradition gegen Moderne kämpft. Forssman findet das sehr gut für die Situation der Gestaltung, wenn eine Dogmatik entwickelt wurde. Das »Ulmer Denken« wäre noch kräftig vorhanden.

Der Bezug der Schrift und Typografie zur Erscheinungszeit eines Textes ist nicht immer ideal. Aber es wird nicht alles schlechter. Wir leben im goldenen Zeitalter der Gestalter. Es gibt viele Quereinsteiger, die naiv nachmachen,  zum Beginn ihrer Kariere. Er nennt aber auch andere wie Walter Pamminger aus Wien, der mit ganz anderen Vorgehensweisen an Gestaltung herangeht.

Wir sind stets mehr unsere Zufälle als unsere Leistungen. Forssman lenkt die Gedanken auf den Philosoph Odo Marquart: » Apologie des Zufälligen« (Reclam 1986). Und fragt was für ein besonderes Wesen ein Gestalter ist. Wir fangen ja nicht bei Null an.

Eine Designtheorie ist schädlich, aber ein systematisches Vorgehen beim Gestalten ist unerlässlich.  Eine wissenschaftliche Ausbildung ist eher selten bei Lehrern in der Gestaltung. Und Interdisziplinarität wäre manchmal so viel, dass die Disziplin keinen Platz mehr findet.

Viele interessante und gute Gedanken, leider etwas mäandernd. Und die Frage sei schon erlaubt, ob freie Vorträge das richtige sind oder ob eine  Disziplin an einem Thema für die Zuhörer noch mehr brächte?



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