Buchsucht

17. März 2019, 0 Kommentare
Rudolf Paulus Gorbach

Fotobuch in der frühen Fotogeschichte

Über die Technik der früheren Fotografie und deren Fotografen gibt es viele Bücher. Jedoch wenige, die sich mit dem Fotobuch beschäftigen. Steffen Siegel meint in seiner Bildgeschichte der Fotografie vor allem jene Publikationen, die als Fotobuch sich explizit mit der Entwicklung dieser Bücher verstehen. Er beschreibt die wichtigsten Werke, deren Aussage und Form. Zu finden ist dieser Band in der Reihe »Ästhetik des Buches«, die Klaus Detjen seit einigen Jahren herausgibt.

Das beginnt vor allem in den zwanziger Jahren, als die Drucktechnik so weit war, dass Fotobücher hervorragend gedruckt und reproduziert werden konnten. Doch gab es bereits nach Talbots und Daguerres Darstellungen in eigener Sache 1884 das erste »ausführliche Handbuch der Photographie« von Josef Maria Eder, das bis 1932 erweitert und immer wieder erschienen war. Die Buchgestaltung entspricht dem Stil der Zeit, wie eben im 19. Jahrhundert Bilder in den Text eingeklinkt wurden. Für Gestalter dürfte besonders interessant sein, wie diese Bücher visuell gestaltet wurden.

Beim Fotobuch denken wir heute zunächst an Karl Bloßfeldt, August Sander, Eugéne Atgets oder Albert Renger Patsch. Im vorliegenden Band geht es aber um Bücher über Fotografie, beispielsweise Helmuth Th. Bossert und Heinrich Guttmans »Aus der Frühzeit der Photographie 1840–1870«. Die abgebildetes Doppelseiten zeigen die Form linearer Tafelbände. Gestalterisch in diesem Sinn erscheint 1931 Camille Recht »Die alte Photographie«.  Die Avantgarde der Gestaltung spielte in diesen Bereich noch kaum eine Rolle.  Beaumont Newhalls »The History of Photography from 1839 to the Present Day«, New York 1949 weist zwar eine Text-Bild-Integration auf, wenn man diese einfache Bebilderungsmethode schon so nennen wollte (Bild und Text stehen zusammen, Bild mal oben auf der Seite, mal unten). Und Raymond Lécuyers »Historie de la photographie.« von 1945 sieht mehr wie ein Buch aus dem 19. Jahrhundert aus. Das heißt, dass es nach dem Inhalt dieser Abhandlung von Steffen Siegel, für die Fotobuchgestaltung erst richtig los ging. Der »Geist des Fotobuches« ist mir nicht klar geworden, geht es hierbei mehr um eine Fotografie- und Bildgeschichte?

Wie es weiter geht wäre jetzt spannend. Ein wenig kann man darüber in Hans Dickels »Künstlerbücher mit Photographie seit 1960« erfahren, auch wenn das thematisch und von der Zeit einen gewaltigen Sprung bedeutet.

 

Steffen Siegel
Fotogeschichte aus dem Geist des Fotobuches
Reihe Ästhetik des Buches (herausgegeben von Klaus Detjen, Band 11)

88 Seiten mit 27 Abbildungen
englische Broschur
Wallstein-Verlag, Göttingen 2019

ISBN 978-3-8353-3469-4
14,90 Euro

Für weiter Interessierte siehe auch:
Hans Dickel
Künstlerbücher mit Photographie seit 1960
Maximilian Gesellschaft Hamburg 2008

 

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