Das Programmjahr 2012/2013: Umbruch mit Aussicht

Nach ihm ist nichts, wie es war. Vor ihm kann vieles stehen und seine Bedeutung verändern. Der Bruch hat viele Begleiter, die meisten machen ihn zu einem unangenehmen Zeitgenossen*, manch wenige hingegen haben Optimismus im Gepäck.

<br> (br = break = Umbruch)

Schon in seinem Ursprung trägt der Umbruch die Aussicht auf Morgen in sich: Hier wird das abgeerntete Feld umbrochen für neue Saat und zukünftige Ernten. In seinen verschiedenen Auslegungen geht es ihm immer um Anpassung ... und um Neuausrichtung: In der Drucktechnik wird das Layout von Hand austariert, in der Typographie der Zeilenfall, in der Gesellschaft wandeln sich Werte im Zeichen der Zeit ... meist begleitet und motorisiert durch technische Veränderungen, die sich ihrerseits stets im Übergang befinden.

Man muss sie lesen können, die Zeichen der Zeit – und wollen. Dafür braucht es Flexibilität, Offenheit, Mut, Reflexion und Phantasie. Denn der Umbruch erzeugt immer auch Ängste, sein Ausgang ist meist nicht definiert: Wird es was? Wird es nichts? Wie wird es und wie wird es sein? Jeder Umbruch zeugt von Gestaltungswillen, jeder Umbruch will gestaltet werden.

Welch wunderbare Zeiten für Gestalter aller Art: Kreativität und Innovation durchdringen zwingend alle Bereiche der Gesellschaft, von Unternehmen und Organisationen, zusammengehalten durch das technische (Inter)Netz und soziale Netzwerke. Diese Netze haben überkommene Verbindungen abgelöst. Ob sie dabei gleich das Göttliche ersetzen, wie Prof. Norbert Bolz es provozierend formuliert, sei dahingestellt.

In der Auseinandersetzung mit dem Jahresthema »Wandel und Bewegung« wurde uns bewusst, wie sehr die tgm mit ihrem und speziell diesem Programm unterschiedlichste Ansätze, mit Veränderungen umzugehen, in sich vereint – von der Vortragsserie »Umbruch mit Aussicht« über Konferenzen, Typographische Ortsbesichtigungen bis hin zum breiten Fortbildungsprogramm. Dabei hilft das unglaublich engagierte Netzwerk von Menschen und Unternehmen.

Einen ganz großen Dank an alle, die daran mitgewirkt haben – und insbesondere auch an den Streetart-Künstler Alexandre Farto aka Vhils, der seine beeindruckenden Arbeiten für dieses Programm zur Verfügung gestellt hat. Seine öffentlichen Installationen geben einen Eindruck von der verdeckten und immer wieder neu zu entdeckenden Vielschichtigkeit des ganz alltäglichen Alltags – Wandel gestalten!

Boris Kochan

* zum Beispiel Zusammen-, Ehe-, Ab-, Bein- oder auch Vertrauensbruch