Nachtkritik

28. Oktober 2011, 0 Kommentare
Rudolf Paulus Gorbach

Braucht Design neue »Formate«?

Claudia Fischer-Appelts Vortrag trug den Titel: Über Mut zum Experiment – Design braucht neue Formate. Ihre Thesen stellte sie anhand von Arbeiten aus ihrer Agentur vor, wobei sie zuvor die Wichtigkeit von Kreativität, Know-how und Mut, vom Machen und Durchhalten betonte. Die Prototypen aus dem »Selbst-Machen« scheinen in der Industrie angekommen zu sein und werden von großen Marken wie Hermes imitiert. Offene Werkstätten gibt es aber schon sehr lange, das wäre also nicht gerade eine Innovation. Die Geschichte eines Produktes sei wichtiger als das Produkt selbst. Das kommt in unserer Event-Gesellschaft sicher gut an.

 

 

Marken würden Menschen zum Teil eines Produktes machen. Womit vielleicht nicht die Kultur des offeneren Labeltragens gemeint ist sondern die demokratische Mitarbeit am Design. Nach Open Source jetzt auch Open Design, also »Volks-Design«. Am Beispiel eines turbulenten Live-Layoutings für den Verein Hamburg Hoch 11 zeigte Fischer-Appelt die Vorgehensweise, die nicht frei von Gags war. Die Schriftwahl geworfen, die Farben anhand des Körpergewichts der dafür Stimmenden ermittelt. Letztendlich kam allerdings nichts Befriedigendes dabei heraus und ihre Agentur griff ein. Diese formulierte einen tatsächlichen und fachlich fundierteren Vorschlag. In der anschließenden moderierten Diskussion an einem anderen Ort hinterfragte Ulrich Müller die Aussage von Fischer-Appelt, ob wir noch barock wären oder schon weiter. Der Vergleich zur Punk-Bewegung und deren wirtschaftlichen Absorption kam zur Sprache.
Kommunikationsdesigner klagten auch, dass damit ihre fundierte Arbeit hinfällig wäre. Und Boris Kochan erwähnte die kommentierende These zu Dieter Rams 10 Thesen zum Design aus der Sicht der Typografie, dass hier Innovationen schwieriger seien, da die Funktion des Lesens so stark dominiere. Im Vorprogramm stellte Alex Rütten seine Schrift Gingko vor, die er als Textschrift für den Bücherdruck empfahl. Die Schrift folgt natürlich einigen anderen Vorbildern, ist relativ kräftig mit wenig Kontrast. Man sollte sie mal für die Eignung testen.

(Foto: © Michael Bundscherer)

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