Die Abreise: Fingerabdrücke in Armenien und nächtliches Arbeiten

Um drei Uhr morgens fanden wir uns alle pünktlich beim Bus ein. Das Hotel wollte fast noch unsere Abfahrt vereiteln, weil noch nicht in allen Zimmern die Minibars kontrolliert worden waren. Unser Vorsitzender löste das Problem aber in gewohnt souveräner Weise.

Ein letzter Blick auf den Ararat:

Ein letzter Blick auf den Ararat

Bei der Sicherheitskontrolle am Flughafen mußten alle ihre Fingerabdrücke hinter­lassen, ganz unabhängig vom Alter des Reisepasses. Werden die jederzeit abrufbar aufbewahrt, oder sind sie schnell entsorgter Datenmüll? Wir werden es wahrscheinlich nie erfahren.

In der Cafeteria hieß es dann Warten. Für die einen war es früher Morgen, für andere später Abend – zu sehen an der Wahl der Getränke (Kaffee oder Rotwein), Am Blog wurde fleißig auf drei PCs gearbeitet. So auch in Wien-Schwechat, wo wir nach drei Stunden um sechs Uhr morgens ankamen und drei Stunden auf unseren Anschlußflug nach München warten mußten.

Wir hatten eine so wunderbare Reise! Viele großartige Eindrücke und Sinnes­freuden müssen erst noch verarbeitet werden. Ich (Ulrike) träumte in der ersten Nacht daheim, wie ich perfekt mein Duduk spielen kann. Und tatsächlich konnte ich ihm mittlerweile (einmal) einen Ton entlocken!

Zum Abschied von Armenien, von Hayastan, wie das Land in seiner eigenen Sprache heißt, hier noch das schöne Gedicht von Jeghische Tsch’arents, hier in Deutsch, so wie Hakob es uns vorgelesen hat (der/die ÜbersetzerIn ist uns leider nicht bekannt).

Mein Armenien

Den Sonnengeschmack in der Sprache meines Armeniens liebe ich,
die klagende, schluchzende Saite unserer alten Saz liebe ich,
den Duft blutroter Blumen und Rosen
und den sanften Reigen der Mädchen von Nairi liebe ich.

Ich liebe das Blau unseres Himmels, das klare Wasser, den glänzenden See,
die Sommersonne und die drachenstimmigen Winterstürme,
die schwarzen Mauern der im Dunkeln verborgenen Häuser,
und uralter Städte tausendjährigen Stein liebe ich.

Wo ich auch bin – ich vergesse nicht den klagenden Ton unserer Gesänge,
vergesse nicht unsere zu Gebeten gewordenen Bücher in Eisenschrift,
und wie sehr auch mein Herz von unseren blutigen Wunden brennt –
mein verwaistes, kummervolles und geschätztes Armenien liebe ich ewiglich.

Für mein sehnsüchtiges Herz gibt es auf Erden keine andere Erzählung,
gibt es einen den Narekats’i, dem Khutsch’ak gleichen Verstand nicht auf dieser Welt.
Durchstreif’ die Welt – es gibt keinen weißen Gipfel dem des Ararat gleich.
Den Gipfel des Ararat liebe ich – wie den Weg zu unerreichbarem Ruhm.

»Mein Armenien« von Jeghische Tsch’arents in original:

»Mein Armenien« von Jeghische Tsch'arents

Schnorhakal em Catherine, schnorhakal em Hakob. Z-tesutjoon Hayastan!

Ulrike und Johannes Küster

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